Apothekerinnenhaus

Nutzung: Wohnen und Arbeiten
Grundstück: 375 m²
Bebaute Fläche: 180 m²
Geschosse: 4

Wohnhaus mit Gewerbe im EG
Bewohner*innen: 5
Besitzverhältnisse: Miete
Anzahl Zimmer: 4
Anzahl Gemeinschaftsräume: 2

Hier wohnt Familie A. mit drei Kindern. Im Erdgeschoss befindet sich die Apotheke von Frau A., in den drei Geschossen darüber verteilen sich die privaten Räume. Zusätzlich hat das Gebäude einen Dachboden und ist teilweise unterkellert, was in dieser Stadt sehr ungewöhnlich ist. Im ersten Obergeschoss halte die Familie sich am häufigsten auf und verbringe gemeinsam Zeit, entweder an dem großen Esstisch im Esszimmer oder im Wohnzimmer, in welchem die Kinder neben ihren Kinderzimmern auch eine Spielecke haben. Die gemeinsame Zeit sei der Familie sehr wichtig, betont Frau A.

Schon seit 1724 besteht an diesem Ort eine Apotheke. Im Besitz der Familie ist sie seit 1914, als der Urgroßvater von Frau A. die Apotheke kaufte. Seitdem habe es einige Umbauten gegeben, mit denen auf veränderte Anforderungen und Ansprüche reagiert wurde. Beispielsweise ist seit den 1970er Jahren gesetzlich geregelt, dass Apothekenräume strikt von anderweitig genutzten Räumen getrennt sein müssen. Zudem wurde eine Mindestfläche, die Apotheken einhalten müssen, festgelegt. Ein Anbau im Garten gab zusätzlichen Raum. Ein weiterer Anbau folgte in den 1990er Jahren, um mehr Fläche für die Apotheke zu schaffen, die dringend benötigt worden sei. Das Dach des Anbaus aus den 1970ern wurde zur Terrasse, die mit jedem weiteren Anbau Stück für Stück vergrößert wurde. Auch die Ansprüche an das Wohnen veränderten sich, so habe es in den Wohnräumen einige kleinere Umbauten gegeben. Im ersten Obergeschoss seien zwei Räume durch einen großen Durchgang zu einem großen Wohnzimmer umgebaut worden. Ein neuer Zugang vom angrenzenden Zimmer zur Küche sei geschaffen worden, sodass es als Esszimmer genutzt werden konnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe man diese Räume noch gebraucht, da mehr Menschen als heute in dem Haus lebten.

In Gästezimmern hätten beispielsweise Vertreter, die zur Apotheke kamen gewohnt. Nach dem zweiten Weltkrieg seien hier geflüchtete Menschen untergebracht worden. Bevor die Räume der Apotheke und die Wohnräume so strikt getrennt waren, wurden außerdem Räume in den oberen Geschossen z.B. zum Lagern genutzt, was später nicht mehr erlaubt war.

Neben den Erweiterungen auf dem Grundstück, erweitert sich das Wohnen der Familie A. auch innerhalb des Blocks. So haben Herr und Frau S., die Eltern von Frau A., die zuvor in diesem Haus gelebt haben und die Apotheke betrieben, sich ein weiteres Grundstück gekauft und ihres an Familie A. übergeben. Auf dem neuen Grundstück, welches sich im selben Block befindet, haben sie sich ein barrierefreies Haus bauen lassen, um dort auch im Alter leben zu können. Auch Herr und Frau A. haben im selben Block ein weiteres Grundstück gekauft, um eine räumliche Distanz zur Apotheke zu bekommen. Auf diesem haben sie das Bestandsgebäude abreißen lassen und planen dort einen Neubau für sich zu errichten.

Das Beispiel der Apotheke zeigt, wie sich veränderte Ansprüche an den Wohnraum auf der einen und veränderte Anforderungen an die Arbeitsstätte auf der anderen Seite im Gebauten wiederspiegeln. Zudem wird deutlich, welche Möglichkeiten die Mischung von Wohn- und Arbeitsräumen in einem Gebäude bieten: Sie ermöglicht es Frau A., dass sie in ihrer Mittagspause kurz in ihre Wohnung gehen und Dinge im Haushalt erledigen kann. Auf der anderen Seite bedeutet dies auch, dass sie außerhalb ihrer regulären Dienste von Mitarbeiter*innen um Hilfe gebeten wird, da sie in der Nähe ist. Als ihre Eltern die Leitung der Apotheke aufgaben, war es ihnen deswegen auch wichtig aus dem Haus auszuziehen, um einen klaren Schnitt auch zur Apotheke zu machen. Diese Nähe von Wohnen und Arbeiten bedeutet eben auch, dass man schnell zwischen Arbeit und Freizeit wechselt. Zum einen ermöglicht es ihnen, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen und Dinge, die den Haushalt betreffen, zwischendurch zu erledigen. Andererseits ist es kaum möglich sich nicht mit dem Arbeiten zu beschäftigen, sie ist immer präsent.

Fehrs/Kreuzer/HCU 2018 – Lizenz: CC BY-NC-SA

Apothekerinnenhaus - Film: Hausbegehung

Apothekerinnenhaus – Steckbrief

Nutzung: Wohnen und Arbeiten
Grundstück: 375 m²
Bebaute Fläche: 180 m²
Geschosse: 4

Wohnhaus mit Gewerbe im EG
Bewohner*innen: 5
Besitzverhältnisse: Miete
Anzahl Zimmer: 4
Anzahl Gemeinschaftsräume: 2

Fehrs/Kreuzer/HCU 2018 – Lizenz: (link: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de text: CC BY-…

Apothekerinnenhaus – Vertiefung

Schon seit 1724 besteht an diesem Ort eine Apotheke. Im Besitz der Familie ist sie seit 1914, als der Urgroßvater von Frau A. die Apotheke kaufte. Seitdem habe es einige Umbauten gegeben, mit denen auf veränderte Anforderungen und Ansprüche reagiert wurde. Beispielsweise ist seit den 1970er Jahren gesetzlich geregelt, …

Apothekerinnenhaus – Kurzbeschreibung

Hier wohnt Familie A. mit drei Kindern. Im Erdgeschoss befindet sich die Apotheke von Frau A., in den drei Geschossen darüber verteilen sich die privaten Räume. Zusätzlich hat das Gebäude einen Dachboden und ist teilweise unterkellert, was in dieser Stadt sehr ungewöhnlich ist. Im ersten Obergeschoss halte die Familie …

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Apothekerinnenhaus – Exkurs zur Geschichte der Apotheken – Stadtarchiv