Corona-Edition

„Bei »Urban Types. Von Häusern und Menschen« geht es um Ihr, euer und unser »Wohnen«. Anhand von Haus- und Bewohner*innenbiografien suchen wir zu erfahren: Wann, wie, wo und mit wem wohnen wir in Zimmern, Häusern, Quartieren, in der Stadt und in der Welt? Wir interessieren uns für das alltäglich praktizierte (Be-) Wohnen in Relation zu den gebauten Räumen und fragen uns: Stecken darin Wissensräume, die uns mögliche Zukünfte des Wohnens aufschließen können? …“ (weiter unter: About)

Wohnen ist –und war schon immer– nicht nur Ausdruck von Design-Verständnis, sondern auch Resultat und Ort gesellschaftlicher, sozialer, ökonomischer und psychologischer Normen und Unterschiede. Das gilt auch und insbesondere in den aktuellen Zeiten der Corona Krise. Die eigene Wohnung wird unter der Devise „stay at home“ noch eindrücklicher zum physischen Rückzugsort und verstärkt gleichzeitig eine ganze Bandbreite von sozialen Themen. Die Größe und Lage der Wohnung, Anzahl der Zimmer sowie die (wechselseitigen) Beziehungen der Bewohner*innen, Privatsphäre, der Zugang zu Technologie, die (räumliche) Vereinbarkeit von Arbeiten und Wohnen, Sorgearbeit, Gemeinschaft und Solidarität und gleichzeitig Probleme wie Isolierung, Krankheit, (häusliche) Gewalt, als auch Armut nehmen unter diesen Umständen veränderte Dimensionen an. Dabei geraten unsere sehr unterschiedlichen Wohnsituationen in ihren jeweiligen Gebräuchen noch einmal mehr in den Blick.
Diese spezielle Situation der „Krise“ wollen wir zum Thema machen und über kleine Forschungen zum eigenen Wohnen sichtbar werden lassen. Dabei geht es uns nicht um umfängliche Wohnbiografien, wie wir sie hier in verschiedenen Fällen aufzeigen, sondern es geht vielmehr um einen spezifisch ausgewählten Ausschnitt des Wohnens, der durch die aktuelle „Verhäuslichung“ besonders auffällig geworden ist. Suchen Sie sich einen Teilaspekt, der Ihre Motivation und Ihr persönliches Interesse widerspiegelt, beschreiben Sie diesen in seinen unterschiedlichen Dimensionen und Relationen, untersuchen Sie die Situation im Hinblick auf die Praktik des Wohnens und suchen Sie diese über zeichnerische und textliche Beschreibung greifbar zu machen. Denn um es in den Worten von Michele Lancione und AbdouMaliq Simone (2020) zu sagen:

„Being vigilant on how a space of emergency is arranged - and on its implications - is as important as washing our hands to stay alive in the times that we currently inhabit. (…) how can the many say no to a space of emergency erected to protect their lives, and how, more crucially, will they unlearn and contest the dwelling praxis they have been subjected to in the meantime?“

Take Motiv

Im ersten Schritt geht es um Ihre Motivation und Ihr persönliches Interesse an Ansatz und Format »Urban Types: Von Häusern und Menschen« und um den Zugang zum Forschungsfeld. Suchen Sie sich hierzu in Ihrem engen Bekanntenkreis oder auch in der eigenen Wohnsituation einen Aspekt des Wohnens, der Ihnen in den vergangenen Wochen besonders aufgefallen ist. Beschreiben Sie diesen knapp und reflektieren Sie Ihren persönlichen Bezug zum Wohnen: Was interessiert Sie daran? Welche Fragen stellen sich Ihnen? Auf welchen Ebenen (soziale, bauliche, politische, ökologische, ökonomische) des „Wohnens“ kommen diese Fragen zum Tragen?
Überlegen Sie auf dieser Grundlage, welche Fallbeispiele für Ihre Untersuchung interessant sein könnten und ob Sie den Zugang dazu haben. Dabei soll die Fallauswahl dem aktuellen Ausnahmezustand angemessen sein und weder Sie noch andere in unangenehme oder gar gefährdende Situationen bringen – wahren Sie die gebotene Distanz. Es ist wichtig zu wissen, dass wir im Sinne der Aktionsforschung (Action Research) nicht über, sondern mit den Beteiligten (Kromrey 1998; Chatterton et al. 2007; Altrichter et al. 2010) forschen. Mit den möglichen Beteiligten sprechen Sie darum bereits im Vorfeld der Forschung über die Art und Weise des Verfahrens sowie die Verwendung der dokumentierten Inhalte.

Beschreiben Sie die Situation in einem kurzen Text mit 300-500 Wörtern, einem Steckbrief mit den wichtigsten Fakten des Hauses und der Bewohner*innen sowie einem den Fall repräsentierenden Bild. Dabei können Sie, sofern gewollt und mit Kontaktbeschränkungen und gebotenen Schutzmaßnahmen vereinbar, auch zu zweit arbeiten. Legen Sie im Backend (siehe Anleitung) einen neuen Fall an und laden Sie alles bis zum 23.5.2020 hoch.

Take sammeln

Begeben Sie sich erneut ins Forschungsfeld und beobachten Sie das Wohnen als Praxis sowie das Haus als Versammlung (assemblage) verschiedener Materialitäten, Prozesse, subjektiver Einschreibungen und Überformungen, Nutzungen und Funktionen, Regelwerke und Gesetze (Kniess und Vollmer 2014; McFarlane 2011; Latour und Yaneva 2008). Versuchen Sie die Themen Ihres Falls einzukreisen, indem Sie eine erste Materialsammlung – eine Art Grundlagenarchiv erstellen. Bedienen Sie sich dabei aus unterschiedlichen Quellen auf verschiedenen Maßstabebenen in Abhängigkeit zu den von Ihnen formulierten Interessen und Fragen aus dem Motiv-Take.
Bedienen Sie sich dabei der Methoden recherchieren, beobachten, interviewen, filmen, fotografieren und zeichnen. Wie stehen die Dinge in Beziehung zu einander? Bringen Sie Ihre Materialsammlung als Einzeldateien und Einzelabbildungen zusammen. Organisieren und archivieren Sie dabei Ihr Material und die Quellenlage. Fertigen Sie Listen an, anhand derer Sie nachvollziehen können, woher welches Material stammt und wie Sie auf die jeweiligen Daten verweisen (Fotografien, Texte, Karten etc…) ist. Bitte verwenden Sie für Zitate und Literaturangaben das Chicago Manual.
Daraus soll sich eine Materialsammlung ergeben, die unterschiedliche Facetten und Formate des Forschungsthemas zusammenbringt. Dabei geht es in diesem Schritt noch nicht um eine saubere Darstellung, sondern um das gezielte Sammeln und Auswählen von Material. Der Literaturbezug soll hierbei helfen eine theoretische und kontextuale Einordnung zu schaffen und die Thematik schärfer zu fokussieren.
Präsentieren Sie uns am 8.6. ihr gesammeltes Material.

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Einverständniserklärung Teilnehmer*innen (word)

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Einverständniserklärung Studierende (word)

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