Lage: Oxford-Quartier in Münster-Gievenbeck
Haustypen: Drei Gebäude – Punkt, Riegel und Winkel
Wohnungstypen: 1-5-Zimmer-Wohnungen, Clusterwohnungen (5–11 Personen), Joker- und Ausbauzimmer, Atelierwohnungen.
Baujahr: 2023- 2025
Grundstücksfläche: 9.010 m²
Gesamtwohnfläche: 12.240 m² Wohn- und Nutzfläche
Anzahl Bewohner:innen: ca. 260
Nutzung: Wohnen – ergänzt durch Gemeinschaftsflächen: Werkstätten, Veranstaltungsraum, Kulinarium, Coworking, Waschsalon, Wellness-/Fitnessbereich, Kinderspielraum...``
Der Begriff „Weiler" – vom lateinischen villare – bezeichnet traditionell eine kleine Ansammlung von Höfen oder Gebäuden. Genau daran knüpft die Grüner Weiler eG an: Mit ihrem ersten Bauvorhaben W1OXF (Weiler 1 Oxford) hat die 2016 von einer Gruppe Münsteraner*innen gegründete Genossenschaft auf dem Gelände der ehemaligen Oxford-Kaserne in Münster-Gievenbeck ein gemeinschaftliches Wohnprojekt realisiert. Über 100 Wohneinheiten bieten heute rund 260 Menschen ein Zuhause – fertiggestellt und bezogen im Frühjahr 2025.
Den Zuschlag für das Grundstück erhielt die Genossenschaft 2020/2021 im Rahmen einer Konzeptvergabe der Stadt Münster, anschließend wurde ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen. Entscheidend war eine partizipative Planungspraxis: Die künftigen Bewohner*innen brachten von Beginn an ihre Ideen ein und gestalten ihr Zuhause bis heute in zahlreichen Arbeitsgruppen mit.
Drei Gebäude – Punkt, Riegel und Winkel – umschließen einen rund 2.000 Quadratmeter großen, begrünten Innenhof, das „grüne Wohnzimmer" des Weilers. Der Punkt an der Gumprichstraße bildet mit seinem offenen Erdgeschoss das Entree des Ensembles und beherbergt Veranstaltungsraum, Werkstätten, Velohalle, Kulinarium, Waschsalon und den „Grünen Salon". Der Riegel im Süden bietet mit überhohen Erdgeschossen Raum für Atelier-, Ausbau- und Clusterwohnungen sowie den vom Verein Kurbelbox e.V. betriebenen Kieztreff „Zur Wilden Kade". Das dreigeschossige Winkelgebäude im Nordosten beherbergt größere Wohnungen sowie im Erdgeschoss ein Gartencluster für Menschen mit Pflege- oder Assistenzbedarf – direkt am Innenhof, um maximale Teilhabe zu ermöglichen.
Die Wohnungsvielfalt ist Programm: Neben klassischen 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen gibt es Clusterwohnungen für 5 bis 11 Personen, Joker- und Ausbauzimmer sowie Atelierwohnungen. Rund die Hälfte der Wohnungen ist öffentlich gefördert, nahezu alle sind förderfähig. Ein solidarisches Finanzierungsmodell ermöglicht es Mitgliedern, freiwillig mehr Genossenschaftsanteile zu übernehmen, damit andere weniger aufbringen müssen.
Nachhaltigkeit prägt das Projekt in vielen Facetten: Eine geothermische Anlage mit 73 Tiefenbohrungen, eine große Photovoltaikanlage mit Mieterstrommodell, begrünte Fassaden, Retentionsdächer und Grauwassernutzung reduzieren den Energie- und Wasserverbrauch. Riegel und Winkel wurden in ressourcenschonender Holzrahmenbauweise errichtet. Zentrale Leitfrage bei Wohnungsgröße wie Konstruktion ist die Suffizienz: „Was brauche ich wirklich?" So begrenzt die Bewohnerzahl je Wohnung auch die Zimmerzahl, und Bewohnende verpflichten sich, bei sinkender Personenzahl umzuziehen.
Auch beim Thema Mobilität geht der Grüne Weiler neue Wege: Ein Mobilitätskonzept mit Car- und Bikesharing reduzierte die Zahl der Pkw-Stellplätze auf nur 16 private Tiefgaragenplätze plus 9 Carsharing-Plätze im Straßenraum – bei über 300 Fahrradstellplätzen für rund 260 Bewohner*innen. Dafür erhielt das Projekt als erstes in Deutschland die Platin-Zertifizierung des Good Mobility Council, zudem wurde die Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erreicht.
Die Qualität des Konzepts wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Bauherrenpreis 2026, der „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen 2025" und dem 2. Platz beim polis Award. Als Genossenschaft mit inzwischen über 500 Mitgliedern gehört der Grüne Weiler seinen Bewohnerinnen selbst – ohne Investorinnen, die mit den Mieten Rendite erzielen. Nach dem Erfolg von W1OXF plant die Genossenschaft bereits ihr nächstes Vorhaben: den Grünen Weiler 2.
textcredits: https://www.gruener-weiler.de, office03, Lena Clasen



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