Zwei Häuser, ein Flur und viele unterschiedliche Bewohner

Lage: Grundstück in einer kleinen Stadt am Fluss
Nutzung: Wohnen und Arbeiten
Frühere Nutzung: Altenheim
Gebäude: Zweigeschossiges Vorderhaus im direkten Verbund mit zweigeschossigem Hinterhaus
Wohneinheiten: 9
BewohnerInnen: 13

BewohnerInnen und Größe der jeweiligen Wohneinheit:
Vermieterehepaar: arbeitendes Ehepaar mittleren Alters, ca. 292m² Wohnen im EG und Arbeiten im OG, zzgl. privater Garten

Mieter:
arbeitendes Ehepaar mittleren Alters, 76m² Wohnen
Rentnerin, ca. 42m² Wohnen
Bootsbau Azubi, ca. 23m² Wohnen
WG: Ingenieur, Studentin und Bootsbau Azubi, insgesamt ca.108m²
Bootsbaugeselle, ca. 23m²
Bootsbaugesellin, ca. 18m²
Segelmacherin, ca. 16m²
Krankenschwester, ca. 20m²

Gemeinschaftliche Nutzung:
Flur
Werkstatt des Vermieters
Abstellräume im EG
Fahrradstellplätze
Gemeinschaftsküche im OG
Wiese mit Feuerkorb und Steg am Fluss

Das malerische, weiße Häuschen mit blau umrahmten Fenstern liegt in einer kleinen Stadt direkt an einem Fluss. Durch einen langen Flur wird es mit seinem gelben Hinterhaus verbunden. Tür an Tür reihen sich die verschiedensten Wohnsituationen aneinander.
In dem Vorderhaus wohnt im Erdgeschoss eine Rentnerin, deren 2-Zimmerwohnung zur rechten Seite des Flures zu betreten ist. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine 1-Zimmer-Wohnung, die von einem Azubi im Bootsbau bewohnt wird. Auch befindet sich dort der Eingang zur Wohnung eines Ehepaares mittleren Alters, deren Hauptwohnräume sich im ersten Stock mit einer großen Dachterrasse zum Hinterhaus befinden. Geht man die Treppe hinauf, befinden sich im Obergeschoss des Hinterhauses vier Einzelzimmer, ca. 20 qm groß, mit eigenem Bad und einer Gemeinschaftsküche. Diese Räume werden von einer Krankenschwester, einer Segelmacherin und zwei Bootsbaugesellen bewohnt. Griffe im Flur, bodengleiche Duschen und ein behindertengerechter Ausbau lassen noch die vorherige Nutzung als Altersresidenz erkennen. Eine weitere Tür versteckt eine besonders schöne Dachgeschosswohnung mit Blick auf das Wasser, egal aus welchem Fenster man guckt. Dieses Reich teilen sich eine Studentin, ein Nautiker und ein Azubi im Bootsbau. Die Krönung ist die große Dachterrasse zum Giebel des Hinterhauses.
Die Wohnung des Besitzer-Ehepaares erstreckt sich über einen großen Teil des Erdgeschosses im Hinterhaus. Zu erschließen ist sie zum einen durch den langen Flur, sowie durch einen separaten Eingang auf der rechten Seite des Hauses. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, betreibt der Besitzer im ersten Stock seine Kanzlei. Diese ist entweder von außen über eine Treppe zu erreichen oder im Obergeschoss durch den langen Flur.
Gemeinschaftlich genutzt wird vor allem die Gemeinschaftsküche im Obergeschoss. Gerade die Bewohner mit Einzelzimmern nutzen diese Gelegenheit am meisten. Der Flur gilt als weitere gemeinschaftlich genutzte Fläche, da dies ein Ort ist, an dem sich die Bewohner am häufigsten zufällig über den Weg laufen. Auch dadurch, dass die Türen nicht verschlossen sind, wird dieser mehr zum Verbindungsstück der einzelnen Einheiten. Die Werkstatt des Vermieters im Erdgeschoss ist ebenfalls ein eher gemeinschaftlich zugänglicher Raum, denn auch die anderen Bewohner dürfen sie mitbenutzen. Der Ort, an dem die Meisten jedoch zusammenkommen können, ist der Steg und der Feuerkorb am Wasser.
Insbesondere die jungen und weniger verdienenden Bewohner können sich sehr glücklich schätzen, das Zimmer bekommen zu haben, da der Ort am Wasser unter der erhöhten Nachfrage von Ferienhäusern und Wohnungen leidet, sowie eine Überalterung der Bewohner festzustellen ist, die am Lebensende am Wasser wohnen wollen. Die Studentin aus der Dachgeschosswohnung meinte, dass es insbesondere für junge Familien quasi unmöglich geworden sei, in dem kleinen Ort geeigneten Wohnraum zu finden. Auch in der letzten Versammlung des Ortes sei dieses diskutiert und die Frage aufgeworfen worden, ob nicht noch andere Hauseigentümer solche Zimmer für junge Leute anbieten können, insbesondere für die zahlreichen Azubis der Werften. Es hätte allerdings auch vehemente Einwände gegeben, dass viele ihr Leben lang gespart hätten, um sich ein Haus in dem Ort leisten zu können. Neuankömmlinge hätten ansonsten nur die Chance in der anderen Bootsbauer- WG des Ortes vorübergehend auf dem Sofa unterzukommen.

Vertiefend untersucht diese Arbeit das Verhältnis von privaten und gemeinschaftlichen Flächen, wie diese genutzt werden und welche Bewohnerschaft sich durch das Angebot gebildet hat. Näher betrachtet wird die Aneignung der Orte, die der Gemeinschaft zur Verfügung stehen.

Beschreibung der Wohnsituation

Das malerische, weiße Häuschen mit blau umrahmten Fenstern liegt in einer kleinen Stadt direkt an einem Fluss. Durch einen langen Flur wird es mit seinem gelben Hinterhaus verbunden. Tür an Tür reihen sich die verschiedensten Wohnsituationen aneinander.
In dem Vorderhaus wohnt im Erdgeschoss eine Rentnerin, deren 2-Zimmerwohnung zur rechten Seite des Flures zu betreten ist. Au…

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Vertiefung

*“Raum und Privatheit sind in diesem Sinne keine starren und unveränderlichen Konstanten oder Behälter, sondern eine relationale Konstruktionsleistung sozialer AkteurInnen und damit ein Produkt sozialer Prozesse und Praktiken. Räume des Privaten werden mittels Wahrnehmungs-, Deutungs- und Aneignungsstrategien von AkteurInnen nicht nur als gedankliche Leistung, sondern ebenso au…

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Steckbrief

Lage: Grundstück in einer kleinen Stadt am Fluss
Nutzung: Wohnen und Arbeiten
Frühere Nutzung: Altenheim
Gebäude: Zweigeschossiges Vorderhaus im direkten Verbund mit zweigeschossigem Hinterhaus
Wohneinheiten: 9
BewohnerInnen: 13

BewohnerInnen und Größe der jeweiligen Wohneinheit:
Vermieterehepaar: arbeitendes Ehepaar mittleren Alters, ca. 292m² Wohnen im EG und Arbeiten im OG…

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