zeichnen

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Wenn wir bei Urban Types von zeichnen sprechen, geht es uns vor allem um die Aufzeichnung und Kartierung des (alltäglichen) Gebrauchs und von Spuren der Aneignung durch die Bewohner*innen, Planer*innen und anderer Tätigen an, in und um Wohnungen und Häuser heute und in ihrem Gewordensein. Wir nehmen dabei Anleihen aus den klassischen Werkzeugen der planenden Disziplinen und erstellen Zeichnungen von Häusern in Grundriss, Ansicht, Schnitt und Axonometrie bzw. Isometrie (und ggf. darüber hinaus). Wir ergänzen diese um die darin stattfindenden Tätigkeiten sowohl in menschlichen Darstellungen als auch in Dingen und Gegenständen des Alltags (Atelier Bow Wow 2014, 2007, 2002, 2001; Wajiro Kon 2011). Eingebettet in den städtischen Kontext der unmittelbaren Nachbarschaft, des Blocks und Quartiers sowie der Stadt sollen diese Zeichnungen Relationen aufzeigen, zwischen sozialen und physischen sowie angeeigneten und geplanten Räumen. Verortet in ihrer jeweiligen Typologie und/oder ihres Typus des Hauses/der Häuser und des/der Bewohner*innen fragen wir dabei nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Dauerhaftem und Überformtem (Glaser 2013), Raumfunktionen, und (An)ordnungen (Löw 2001), Größen, Materialitäten etc. - um implizite Wissensbestände sichtbar, verifizierbar und damit auch diskutierbar und verhandelbar zu machen. Herauszuzeichnen was zu bestimmten Zeiten stattgefunden hat, was aktuell besteht und was performativ stattfindet, kann Aufschluss geben über versteckte Potenziale, die es möglichweise weiterzuentwickeln gilt. Diese umfassen alle Maßstabsebenen des Städtischen und zeigen sich sowohl in den Dingen (vgl. das Projekt Auf | Zu | Angelehnt – das Element der Tür) als auch in der Struktur des Quartiers (vgl. das Projekt Seriell / Individuell – die unterschiedlichen Anbauten der Typenhäuser durch ihre Bewohner*innen).

Raumaneigung -, nutzung und -planung

Das Zeichnen von Gebrauch impliziert eine Auseinandersetzung mit dem Menschen und seinen Tätigkeiten sowie Dingen des Alltags. Räume wurden, sind und werden produziert (Lefebvre 1974). Die Zeichnung als Analyse des Bestehenden kann diese – oftmals bereits materialisierten oder verflüchtigten Zustände dechiffrieren, um darin Möglichkeiten aufzuschließen. Kemp beschreibt in Architektur analysieren: „Der Neubau von St. Peter ist in dieser Beziehung das dankbarste Objekt gewesen; die 200 Jahre anhaltende Entwurfsgenese ist in Plänen, Entwürfen und Veduten so dicht belegt, dass wir auch eine Vorstellung über Vorstadien und die verworfenen Alternativen gewinnen können.“ (Kemp 2009: 173) Zwar beschränkt sich die Analyse und Recherche des beschriebenen Objektes dabei eher auf den „Behälterraum“, auch ist der Entwurf und die Umsetzung eines Doms in unserer Gegenwart und in unserem Themenfeld keine Architektur des Alltags (mehr), dennoch werden hier in dem Vorhandensein der verschiedenen Planstände über einen langen Zeitraum die Prozesse in Entwicklung und Umsetzung sichtbar. Aus einem relationalen Raumverständnis kommend, können Zeichnungen diese – oftmals nicht dokumentierten, aber über Gespräche und Interviews erzählten, sowie über dokumentarische Beschreibungen vorhandene und über Bilder sichtbare - Prozesse in und um unseren zu untersuchenden Alltagsarchitekturen nachzeichnen. Damit könnte eine dichte Zeichnung auch als dichte Beschreibung (Geertz 1987) agieren, sowie ihre Ausformulierung dies ergibt (vgl. das Projekt Wohnen und Arbeiten).

Analysieren von Artefakten und Spuren

In der qualitativen Forschung können Grundrisse auch im weitesten Sinne als „standardisierte Artefakte“ behandelt werden und fallen damit unter die Analyse von Dokumenten und Akten (Flick 2009: 503). Interessant hierbei ist, dass Flick sagt, dass die meisten amtlichen und privaten Dokumente „[…] nur für einen umschriebenen Kreis legitimer bzw. angesprochener Rezipienten bestimmt [ist].“ (ibid.) Darüber hinaus können diese Dokumente auch als „institutionalisierte Spuren“ gelten (ibid.) und über Analyse dieser, Rückschlüsse auf deren Verfasser*innen und im Weiteren auf die Organisation(en), die gesellschaftlichen Verhältnisse, Umstände, Gegebenheiten usw. verweisen. Diese Verweise und Relationen zwischen gebauter Materie und gesellschaftlichen Strukturen finden wir beispielsweise bei den Untersuchungen von Elias (1996) die höfische Gesellschaft, indem er diese Wechselwirkungen und den damit verbundenen Ausdruck in gebauten Strukturen (hier am Beispiel französischer Herrenhäuser) darzustellen sucht. Ähnliches, aber konzentriert auf die Veränderungen im Laufe der Geschichte beschreibend finden wir bei Robin Evans Essay (1978) Figures, Doors and Passages sowie im Weiteren sehr aktuell mit dem Fokus des Aufzeigens bestehender Machtverhältnisse (vgl. Dorhöfer 1998; Heynen 2005; Nierhaus 1999; …).

Angebunden an unsere Motive bei Urban Types geht es darum, dieses im Material (als Form und als Tätigkeit) inhärente Wissen, in unserem Fall: im Bewohnen von Häusern, offen zu legen. Zeichnungen können dabei ein mögliches Werkzeug, ein möglicher Ausdruck sein diese Wissensbestände zu erforschen, zu entdecken, zu untersuchen und zugänglich sowie sichtbar werden zu lassen (oder auch im Verborgenen zu halten).

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Zug um Zug 2 – die Wanne

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Zug um Zug 2 – das Büro

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Zug um Zug 2 – die Bank

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Zug um Zug 2 – die Tischtennisplatte

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Zug um Zug – Isometrie außen

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Zug um Zug 2 – die Jukebox

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Zug um Zug – Isometrie innen